Aquazoo




Konzeption und Gestaltung

Tobias Wienholt


Hochschule

Bergische Universität Wuppertal

Jahr

2009

Beratung

Prof. Hans Günter Schmitz
Prof. Stv. Dr. Bernhard Uske

Inhalt

Ziel dieser Diplomarbeit ist es, Ideen für die geschlossene Aussenkommunikation des Aquazoos vorzulegen, mit denen er sich auch über die nächsten Jahre hinweg gegen die immense kulturelle Konkurrenz der Landeshauptstadt profilieren kann. Dabei sind die Entwürfe teilsweise als Visionen zu betrachten, die zum Weiterdenken ermutigen sollen; denn manche der Vorschläge stellen sich bewusst dem Anspruch eines Experiments.

 

Die Charakteristik der Bildwelt zeichnet sich durch ihren besonderen Umgang mit Farbe aus. Sie erzeugt mit ihrem flächig multiplizierten Verlauf von einem tiefen Ozeanblau in ein kräftiges Schelfgrün eine Anlehnung an das Farbspektrum der Meere. Dieser intensive Umgang mit Farbe sorgt für ein deutliches Profil und ist in der Kulturlandschaft Düsseldorfs bisher nicht anzutreffen. Das gewährleistet einen hohen Wiedererkennungswert auf einer Ebene, die unabhängig ist von komplexer, kognitiver Dekodierung. Die Reproduktion fest definierter Farbwerte ist in der Praxis nicht immer problemlos umsetzbar. Zusätzlich kann die Wirkung von Farbe je nach Umfeld und Untergrund stark differieren. Wichtig bleibt letztlich der Wiedererkennungswert. Der Einsatz der zwei kombinierten Farben erlaubt eine Zuordnung mit großem Toleranzbereich und macht sich somit unabhängig von engen Reproduktionsvorgaben.

 

Die Zentrale Eigenschaft der Wortmarke ist zunächst ihre Dynamik. Wie schon der bisher eingesetzte Claim »Hier bewegt sich was« treffend auf den Punkt bringt, dreht sich der Kern des Aquazoos um die Ausstellung lebendiger Tiere. Diese Eigenschaft visualisiert auch die animierte Wortmarke, indem sie die Wellenbewegung des Wassers aufgreift. Dabei entstehen fortwährend neue Formen und Verzerrungen, die wie jeder Besuch der Ausstellung einen anderen Eindruck bieten als den vorherigen oder den folgenden.

 

Das Briefpapier ist doppelseitig bedruckt und setzt die Rückseite als Trägerfläche der eingeführten Bildwelt ein. Hier können in serieller Ausarbeitung Bilder Informationen – etwa über Nachwuchs im Tierbestand oder gesonderte Ausstellungsthemen – transportieren. Der Zickzackfalz des Briefbogens ermöglicht die Verlagerung von Informationen auf die Rückseite des Bogens, sodass diese im ausgeklappten Zustand keinen Raum auf der Frontseite einnehmen. Das klar transparente Kuvert, in dem sich der Brief befindet, spielt mit der Assoziation eines Aquariums und trägt die Botschaft der rückseitigen Bilder nicht nur bis zum Adressaten, sondern vorbei an jedem, der mit dem Brief in Kontakt kommt. Durch diese ungewöhnliche Kuvertierung ist zudem ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit zu erwarten, da sie sich von der normalen Hauspost deutlich absetzt und einen stärkeren Eindruck hinterlässt. Sowohl auf Briefbogen als auch der Visitenkarte erhöht die zusätzlich ins Papier geprägte Wortmarke den Eindruck von Haptik und Wertigkeit.

 

Die Gestaltung der Eintrittskarten für den Besuch des Aquazoos folgte bisher den pragmatischen Gegebenheiten ihrer Produktion. Sie werden aus einem Kassenautomaten ausgegeben und besitzen den Charme eines Parkhaustickets. Grundlegend für den Neuentwurf ist die Idee der selbstbestimmten Eintrittshöhe. Aus einem Fundus an Leistungen, die von den Mitarbeitern des Zoos tagtäglich erbracht werden, kann der Besucher auswählen, wofür er sein Geld spenden möchte. Das erhebt ihn subjektiv aus der passiven Rolle des reinen Betrachters, der einen Obolus ausschließlich für die Gestaltung eines Besuchs entrichtet. Vielmehr wird er dadurch emotional zum Teilhaber der Idee, seinen Beitrag zum Schutze von Tier und Natur zu leisten. Die Form der Kärtchen sind gemeinhin als Wertmarken bekannt und werden erworben, um sie gegen etwas anderes einzutauschen. Das heißt der Kunde erhält für sein Geld nicht bloß eine Quittierung seiner Zahlung, sondern einen bestimmten Wert, der in diesem Fall in der von ihm selbst getätigten Leistung besteht und auf der Marke zu lesen ist. Insgesamt lässt sich dadurch ein Rahmen schaffen, der zum Weiterdenken – etwa in Form alternativer Werbeformen – ermutigt. Durch das Mindestmaß an Festlegungen in Form und Farbe bleibt die Möglichkeit der stetigen Weiterentwicklung gegeben, die im Laufe der Zeit durch externe Veränderungen notwendig werden kann. So könnte der Aquazoo äußerlich zu dem werden, was er innerlich bereits ist: eine moderne, spannende und dauerhaft erfolgreiche Kultureinrichtung der Landeshauptstadt Düsseldorf.





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