Braniff Reanimation – Fliegen erlebbar machen
Fachhochschule Mainz
braniff
Konzeption und Gestaltung
Boris Markic
Fabian Dechant

Hochschule
Fachhochschule Mainz

Jahr
2008

Beratung
Prof. Robert Paulmann


Bra­niff Inter­na­tio­nal Air­ways gehörte über Jahr­zehnte zur Avant­garde der Flug­ge­sell­schaf­ten. In den 70er Jah­ren pro­du­zierte Bra­niff einen weg­wei­sen­den Wer­be­spot, der zeigte wie das Flie­gen in der Zukunft aus­se­hen könnte. So sollte es eine ein­zige Karte geben, die Rei­se­pass, Ticket und Bord­karte ersetzt. Der Check-In und die Gepäck­auf­gabe soll­ten auto­ma­ti­siert wer­den und sehr schnell von stat­ten gehen. Im Flug­zeug könn­ten je nach Geschmack ver­schie­dene Filme ange­schaut wer­den, etc. Lei­der hat es die alte Bra­niff nicht geschafft diese Visio­nen umzu­set­zen, da sie 1982 den Flug­be­trieb ein­stel­len musste.

 

Nun wird Bra­niff reani­miert um 1.) die alten Werte, die das Flie­gen in den Anfangs­jah­ren aus­zeich­ne­ten, wie­der ein­zu­füh­ren, 2.) ihre Visio­nen aus den 70ern umzu­set­zen, da es dafür nun die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten gibt und 3.) um das Flie­gen wie­der erleb­bar und vor allem zu einem Erleb­nis zu machen. Um die­ses Ziel zu errei­chen, sol­len nahezu alle Stör­fak­to­ren vor und wäh­rend des Flu­ges besei­tigt werden.

 

Die Basis des Kon­zepts bil­det die Braniff-Card, die Ticket und Bord­karte zugleich ist, sowie eine zen­trale, intel­li­gente Daten­bank, wel­che Ein­stel­lun­gen und Vor­lie­ben des Flug­gas­tes spei­chert. Die gespei­cher­ten Daten sind vom Flug­gast vor und wäh­rend des Flu­ges, sowie jeder­zeit über das Inter­net ein­seh­bar und ver­än­der­bar. Sie wer­den für jeden Flug neu in das Flug­zeug gespeist und nach dem Flug mit der Daten­bank abge­gli­chen. In die­ser Daten­bank wird z. B. gespei­chert wel­che Zeitungen/Zeitschriften der Flug­gast am liebs­ten liest, wel­che Getränke er gerne trinkt und zu wel­cher Zeit wäh­rend des Flu­ges er gerne wel­che der Spei­sen isst. Diese Vor­lie­ben wer­den dann von den Braniff-Hostessen berücksichtigt.

 

Es gibt zudem einen bar­rie­re­freien, halb­au­to­ma­ti­schen Durchgangs-Check-In, der dem Flug­gast das läs­tige Hoch­he­ben des Kof­fers auf das Kof­fer­band erspart. Auch wird ein Namens­schild, sowie ggf. ein »Heavy-Aufkleber« gedruckt, der ohne Auf­preis das zuläs­sige Kof­fer­ge­wicht von 23 kg auf 32 kg hoch setzt. Durch diese Maß­nah­men läuft der Check-In-Prozess bin­nen max. einer Minute ab. Sollte ein Gast den­noch Fra­gen oder Pro­bleme haben, steht ihm jeder­zeit eine Braniff-Hostess im Check-In-Bereich hel­fend zur Ver­fü­gung. Nach dem Check-In kann jeder Gast die War­te­zeit bis zum Flug in der Braniff-Lounge am Gate ver­brin­gen um Getränke und Snacks kos­ten­frei zu kon­su­mie­ren und zu entspannen.

 

Aus der Lounge geht es ins Flug­zeug, wel­ches über eine ein­zige Klasse, die »Comfort-Class« ver­fügt. Hier­bei wer­den im Flug­zeug ca. 50% der übli­chen Sitze ent­fernt und durch hoch­mo­derne Business-Class-Sitze aus­ge­tauscht, was die Kapa­zi­tät hal­biert, aber den Kom­fort enorm erhöht. Jeder Sitz ver­fügt über einen eige­nen Touch­screen, mit dem sich ein Inter­face bedie­nen lässt. Dar­über hin­aus hat man Zugriff auf das »Media Cen­ter« mit dem man Musik oder Radio hören und Filme schauen kann. Außer­dem kann man Essen und Getränke bestel­len, Flu­gin­for­ma­tio­nen abru­fen, Spiele spie­len, wei­tere Flüge buchen und seine per­sön­li­chen gespei­cher­ten Infor­ma­tio­nen in der Daten­bank anschauen, ändern oder löschen. Eben­falls ver­fügt jeder Sitz­platz über einen Strom­an­schluss, sowie einen USB-Port, an wel­chen man einen USB-Stick, iPod oder iPhone anschlie­ßen kann um eigene Dateien in das Media Cen­ter zu laden.

 

Am Sitz erwar­tet den Gast über­dies eine Was­ser­fla­sche um direkt nach dem Betre­ten etwas trin­ken zu kön­nen. Die Fens­ter des Flug­zeu­ges sind zudem durch­ge­hend und dop­pelt so hoch wie übli­che Flug­zeug­fens­ter um das Pan­orama wäh­rend des Flu­ges genie­ßen zu kön­nen. Abdun­keln las­sen sie sich elek­trisch für jede Seite und Sitz­reihe sepa­rat. Die Spei­sen­aus­wahl ist enorm und reicht von regio­na­len deut­schen Gerich­ten bis hin zu Gerich­ten aus den ver­schie­dens­ten Län­dern der Welt.

 

Als Ser­vice­kräfte setzt Bra­niff – wie auch ursprüng­lich Bra­niff Inter­na­tio­nal – aus­schließ­lich Frauen ein, wel­che bei Bra­niff nicht Ste­war­des­sen, son­dern Hos­tes­sen genannt wer­den. Da der gesamte Ser­vice­auf­wand enorm ist und der Kunde die­sen beson­de­ren Ser­vice sonst gar nicht in vol­lem Umfang nut­zen könnte, bedient Bra­niff nur Lang­stre­cken und keine Kurzstrecken.

 

Im Gegen­satz zur gro­ßen Far­ben­viel­falt von frü­her beschränkt sich Bra­niff in sei­ner Farb­ge­bung nun auf vier für die Luft­fahrt bezeich­nende Begriffe und visua­li­sier­ten diese an Hand vier star­ker Far­ben. Ein Azur­blau für Him­mel, ein Mai­grün für Erde und ein Son­nen­gelb für Tag sowie ein Vio­lett für Nacht. Ver­wen­det wer­den diese zwei Farb­paare nicht mit­ein­an­der son­dern nur neben­ein­an­der. Das heißt zum Bei­spiel, dass man sich bei der Aus­ge­stal­tung eines Flug­zeu­gin­nen­rau­mes ledig­lich einer akzen­tu­ie­ren­den Farbe der vier (in Kom­bi­na­tion mit Schwarz) bedient. Aus­sen arbei­tet man mit einer tem­pe­ra­tu­r­emp­find­li­chen Lackie­rung, so dass zu Boden die Aus­sen­haut voll­flä­chig vom Farb­part­ner über­zo­gen ist; zu Luft gleicht auch sie sich der innen ver­wen­de­ten Akzent­farbe an.